12.08.2026
Schreie. Mitten in der Nacht ist der Satz zu hören: "Alles ist nass". Um kurz vor Mitternacht wachen wir auf und unsere Zelte schwimmen im knöcheltiefen Wasser. Panik breitet sich aus. Wer noch einigermaßen klar denken kann, packt alles zusammen was er fassen kann und bringt es oben an die Straße. Die anderen werden angeleitet dasselbe zu tun. Innerhalb der letzten zwei Stunden muss der Fluss circa einen Meter höher geworden sein. In der Senke durch die wir am Abend noch trockenen Fußes mit einem kleinen Sprung über Zentimetertiefes Wasser zu unseren Zelten gekommen sind ist nun voll und selbst den Größten von uns steht das Wasser bis zur Hüfte. In unseren Schlafanzügen bringen einige von uns nach und nach die Sachen durch das Wasser, die Böschung hoch und auf die Straße. Die Zelte sind so Wasserdicht, dass wir die Türen aufmachen müssen, dass das Wasser herauslaufen und wir die Zeltplanen die Böschung hochziehen können. Andere gehen immer wieder den Weg zwischen dem Haufen unserer Sachen und dem Auto, und wieder andere sortieren am Auto unsere Sachen. Nach circa einer Stunde sind alle Sachen aus dem Fluss raus und am Auto. Celina, Felix und Sina machen mit den Stirnlampen noch einen finalen Lauf durch das Wasser, das an der tiefsten Stelle mittlerweile bis zur Brust steht, und finden dabei noch ein paar Heringe und einen Socken im Wasser.
Am Auto werden alle dazu aufgefordert sich trockene Klamotten aus den Koffern zu holen und an einen sicheren Ort im Auto zu deponieren. Dann beginnt das Stapelspiel. Die Schuhkiste wird leergeräumt und alle trockenen Schuhe in Sicherheit gebracht, die pitschnassen Zelte hineingepresst mit ein paar der Schlafsäcke, die größtenteils auch im Wasser geschwommen sind. Danach werden die Koffer wieder hineingestapelt und dann eine Picknickdecke über alles Trockene gelegt, um dann die nassen Sachen, die in Planen vor dem Bus im Regen lagen darauf zu stapeln. Nachdem der Kofferraum voll und der Platz vor dem Auto leer ist, ziehen wir uns alle unsere trockenen Klamotten an und fahren los. Das Auto muss warm werden und wir brauchen einen trockenen Ort um uns aufzuhalten. Wir fahren in Richtung Bodo und während Celina Sina beim Autofahren navigiert, schläft der Rest im Bus unter den letzten trockenen Fleecedecken und Schlafsäcken ein. Nach ein Paar Minuten kommt bereits die heiße Luft aus der Heizung des Busses und die vordere Reihe wird gebraten, sodass auch hinten genug warme Luft ankommt. Auf dem Weg wird Ausschau gehalten, nach offenen Tankstellen, an denen man etwas Warmes trinken und sich aufwärmen könnte, aber alles hat geschlossen. Finales Ziel ist der McDonalds in Bodo, um dort etwas warmes zu Essen und zu Trinken. Auch wenn dies das erste sichere Ziel ist, das offen hat, macht der McDonalds erst um sieben in der Früh auf. In Bodo angekommen fahren wir tausende Schleifen durch die Stadt um das Auto warm zu halten und nach einem warmen Unterschlupf Ausschau zu halten. Doch die meisten Hoteltüren sind für die Nacht zu und bei den drei Hotels bei denen die Rezeption besetzt ist, ist kein einziges Zimmer mehr frei. Irgendwann müssen auch Sina und Celina aufgeben und suchen einen Parkplatz, um dort auch ein wenig auf den Sitzen des Busses zu schlafen. Im Halbschlaf verbringen wir die nächsten drei Stunden auf einem Parkplatz neben zwei Wohnmobilen. Um halb sieben in der Früh ist das Auto dann wieder so kalt, dass Sina und Celina beschließen weiterzufahren, während der Rest noch schläft. Der Versuch in einem bereits offenen Supermarkt warme Getränke zu finden bleibt erfolglos, sodass wir zum Parkplatz des McDonalds weiterfahren. Nur noch zehn Minuten bis Öffnung!
Als der McDonalds dann endlich offen ist gehen alle, bis auf Lola, die sich in Sinas warmen Daunenschlafsack auf der Rückbank zum Schlafen legt, in den McDonalds um dort heiße Schokolade zu trinken und Hashbrowns und Cookies zu essen. Während unserer zweieinhalb Stunden im McDonald’s schmieden wir einen Plan für die nächsten Tage. Wir konnten unsere Campingsachen erstmal nicht mehr benutzen, planmäßig hätten wir allerdings noch zwei weitere Nächte Campen gehabt, eine in Rago, die andere an einem Strand auf den Lofoten, bis wir ab Freitag das Ferienhaus auf den Lofoten gemietet haben. Jetzt muss ein Plan her, denn alle Zelte und Isomatten und fast alle Schlafsäcke sind nass. Wir suchen nach Unterkünften in der Nähe und finden ein Motel in Bodo und ein Camp mit kleinen Bungalows in circa 1,5h Entfernung. Wir entscheiden uns für das Camp, denn dort gab es auch einen Waschmaschine. Einchecken können wir allerdings erst um drei, also haben wir noch etwas Zeit zu vertreiben. Wir sind alle müde, zu anstrengend darf es also nicht sein. Wir suchen was man in Bodo machen kann, finden aber nichts worauf wir uns einigen können. Also warten wir, bis die Geschäften in den nahe gelegenen Shopping-Centern offen haben. Einige kaufen sich Klamotten, die ihnen für den Rest des Tages oder die nächsten Tage fehlen, weil die Koffer tief unten im Kofferraum vergraben sind oder die Klamotten pitschnass und sicher erst in den nächsten Tagen wieder trocken sind. Danach browsen wir durch die verschiedenen Geschäfte, erkunden norwegische Spiele und Outdoorequipment. Zuletzt kaufen wir uns noch Mittagessen und setzen uns dann mit unseren Pizzen, Sandwiches und Pitas in den Bus und fahren nach Brekke. Wir kommen um halb drei an, etwas zu früh um einzuchecken, beschließen aber schonmal unsere ganzen nassen Sachen aus dem Bus zu holen und zu sortieren. Die Zelte werden in der Sonne aufgebaut, die Isomatten, Schlafsäcke und Regenjacken und -hosen in der Wiese ausgebreitet und die waschbaren Klamotten in Kisten und Tüten gepackt, dass wir so schnell wie möglich nach Checkin mit dem Waschen anfangen können. Nachdem die nette Frau des Camps kommt, checken wir ein und beziehen unsere zwei Hütten. Celina und Felix fahren zum Einkaufen, wir brauchen dringend Waschmittel für die Waschmaschine. Währenddessen kümmert sich der Rest um die trocknenden Sachen, die immer wieder in der Sonnen gewendet werden müssen. Nachdem der Bus vom Einkaufen zurück ist wird jede Ecke des Busses durchsucht und persönliche Gegenstände verteilt. Wir gehen alle nacheinander duschen, während sich ein Teil um die Wäsche und das Abendessen kümmert. Bevor wir essen, packen wir noch alle Sachen wieder in den Bus, da es am Himmel etwas nach Regen aus sieht. Die trockenen Isomatten, Schlafsäcke und Co werden zusammengelegt und auf die Rückbank gelegt, die nassen mit Küchenrolle ausgestopften Schuhe werden im Bus auf den Boden gestellt ,die Zelte, die eigentlich trocken scheinen, in lockeren Haufen in den Kofferraum gelegt. Die Jacken sind auch fast alle trocken, also verteilen wir sie in die Hütten. Alles was noch etwas feucht ist, wird über die Bänke und das Netz im Bus gelegt.
Dann geht es endlich zum Abendessen, es gibt Reis mit Tomaten-Karotten-Paprikasoße. Im Anschluß spielen wir bei Gummibärchen und Chips noch eine Runde Hitster und lassen damit den Abend ausklingen. Müde fallen wir alle in unsere warmen Betten.