Hochtour auf das Bishorn 4.151 m (13.-17.07.2026)

Im Schneematsch auf einen Viertausender

17.07.2026

Vier Tage im Wallis, an denen alles geklappt hat. Das Ziel unserer Gemeinschaftstour vom 14. bis 17. Juli 2026 war das Bishorn über die Nordwestflanke. 

Ein Bericht vonn Jan-Friedrich Süßmuth:

 

Nach Anreise und einer Nacht auf dem Camping d´Anniviers fuhren wir nach Zinal hoch, ergatterten die letzten gebührenfreie Parkplätze und nahmen bei morgendlicher Kühle den langen Aufstieg zur Tracuithütte (3.256 m) in Angriff, wo wir am frühen Nachmittag ankamen und uns der Akklimatisation durch Entspannung widmeten. Der zweite Tag war als Spaltenbergungs-Übungstag geplant, dementsprechend begaben wir uns nach einem gemütlichen Frühstück um 7 Uhr zum Rand des Turtmanngletschers, brachten alle möglichen Lehrmeinungen zusammen und erarbeiteten uns in mehreren Durchgängen einen brauchbaren Ablauf für die Spaltenbergung, um mit dem guten Gefühl gewissenhafter Vorbereitung in unser Vorhaben starten zu können. Eine kleine Felsstufe bot zudem die Möglichkeit, die Selbstrettungstechnik zu wiederholen. Von dieser Möglichkeit machten allerdings nur zwei der Teilnehmer Gebrauch – die anderen vertrauten wahrscheinlich auf die Bergungs-Kompetenz der Seilschaft. Das Bishorn versteckte sich die meiste Zeit in Wolken, einige Gipfelaspiranten kehrten sogar wegen schlechter Sicht um. Umso mehr waren wir gespannt, was das Wetter am Folgetag bringen würde und hatten Glück:

Um 4 Uhr, pünktlich zum Frühstück, zeigte sich der Himmel sternenklar! Damit bestand die Hoffnung, dass der durch die Wärme der letzten Wochen (auch nachts öfter ca. 7 Grad auf 4.000 m!) grundlos aufgeweichte Schnee vielleicht doch etwas gefestigt wäre. Wir kamen zügig weg und suchten uns im Licht der Stirnlampen einen Weg durch die Gletscherspalten aufwärts. Verglichen mit dem Gletscherzustand Ende der 1980er Jahre oder auch noch 2003 waren signifikant mehr aufgeweichte Spaltenbrücken zu queren oder Spalten zu überspringen. Apere Bereiche reichten bis auf ca. 3.600 m hinauf. Gleichzeitig erwies sich der Schnee unmittelbar neben der Spur als teilweise grundlos und kaum begehbar, schönen Trittfirn gab es kaum. Aber gelegentliches Einbrechen, eisige Sturmböen und Eisstückchen im Gesicht machen ja so ein Hochtourenerlebnis erst komplett. 

Am Gipfel entschädigte die Aussicht auf die „Couronne Impériale du Valais“ u.a. mit dem prächtigen Walliser Weißhorn, die Mischabel- und Allalingruppe, den Monte Rose, Aletschgletscher und Montblanc für jede Mühe. Allerdings trieb uns die Sorge vor Erweichung der fragilen Spaltenbrücken im unteren Teil bald wieder hinunter. Nach 6 1/2 Stunden, Felix hat das ganz genau gestoppt, standen wir wieder vor der Hütte, trockneten die Ausrüstung und begingen Sinas ersten und Felix´ zweiten Viertausender sowie Astrids 3. und Jan-Friedrichs 4. Besteigung des Bishorns mit einer köstlichen Rösti-Pfanne. Am nächsten Morgen zeigte sich die Bergwelt bis auf 3.100 m herunter mit Neuschnee überzuckert, wir hatten also genau den richtigen Tag für den Gipfelgang erwischt und konnten mit einer gelungenen Tour im Rucksack den Heimweg antreten.

Astrid, Felix, Jan-Friedrich und Sina